Manche Geschichten sind einfach zu gut, um sie nicht immer und immer wieder zu erzählen. Besonders, wenn sie von sündigen Adligen, göttlicher Rache und einer Prise Aberglaube aus dem finsteren Mittelalter handeln. Am östlichen Rand der Provence, hängt in einer bezaubernden kleinen romanischen Kirche aus sonnenverwöhnten Kalksteinen inmitten sanfter Hügel der Voralpen ein ganz besonderes Gemälde, Öl auf Eichenholz. Selbst dem abgebrühtesten Zyniker jagt es einen gruseligen Schauer über den Rücken. Es zeigt einen Totentanz, begleitet von einer provenzalischen Inschrift in 33 Alexandriner Versen. Stolze 1,68 Meter hoch und 1,27 Meter breit, um genau zu sein. Und die Legende flüstert, dieser Tanz sei kein bloßes Kunstwerk, sondern das Echo eines ehemaligen Skandals, einer uralten Tragödie.
Der Held unserer Tragikomödie? Nun, das ist der Comte von Bar-sur-Loup, Bertrand de Grasse der III. (1375 - 1448), ebenso von Roquefort, Rouret, Saint-Paul, Valettes, du Bar, Vaugreniers und Amirat. Er entstammte einer noblen provenzalischen Familie, die sich hochstaplerisch zurückgehend auf Rodoard aus dem 10. Jh. Princes d'Antibes nannte. Ein Mann, der offenbar dachte, Regeln seien nur für die einfachen Leute da. Man schrieb das Jahr 1437, und der Graf hatte sich in den Kopf gesetzt, einen rauschenden Ball zu veranstalten! Das kleine Detail, dass es ausgerechnet in die tiefste Fastenzeit fiel und die Kirche solche Ausschweifungen strengstens untersagte, schien ihn dabei herzlich wenig zu kümmern. Man muss Prioritäten setzen, nicht wahr?
Das Gemälde hängt heute in der meist verschlossenen Stadtkirche von Bar-sur-Loup, Eglise St.-Jacques-le-Majeur, also nicht wie ursprünglich in der St.-Arnoux-Kapelle.
Die große Frage
ist natürlich: War das alles wirklich so? War es ein Zeugnis der Reue, ein
mahnendes Kunstwerk oder vielleicht doch nur ein cleverer PR-Stunt aus dem
Mittelalter? jedenfalls der Überlieferung nach spiegelt dieser Tanz eine alte
wahre Begebenheit wider...
Legende oder
Realität?
Heute weiß man nicht, ob das Gemälde eine Erinnerung an diese Begebenheit ist, oder ein Totentanz, oder gar ein Tanz der Lebenden... Mehr als ein Totentanz, so auch der Titel des Gemâldes „La danse macabre“, erwähnt der "Guide de la Provence mystérieuse" die zahlreichen Episoden des "Mal de Saint-Jean", die die Region zu der Zeit heimsuchten, als der Tanz gemalt wurde. Das "Mal de Saint-Jean" ist eigentlich eine Mutterkornvergiftung, die Halluzinationen und Krämpfe verursacht. Es wurde hier vielleicht als eine Art Ex-Voto dargestellt... Wir halten uns an die Geschichte des Balls des Grafen von Bar-sur-Loup, die besonders gut zu dem Gemälde passt! Ein... tödlicher Tanz!
Der verfluchte
Ball – Eine Szene des Verderbens
Der Maler soll
den Grafen mit einem Tamburin und einem Galoubet, als Musiker, fast schon als
Zeremonienmeister dargestellt haben: schließlich war er es, der die Autorität
herausforderte und bewirkte, dass mitten in seinem Ball Menschen starben... Man
sieht einen kleinen Teufel lachend auf seinem Kopf tanzen. An seiner Seite stehen Zuschauer in
Festtagskostümen. Rechts der verfluchte Ball...
Was sieht man dort? Mehrere Tanzpaare, jeweils mit einem kleinen Teufel
auf dem Kopf eines von ihnen. Im
Vordergrund liegt ein Mann. Tot. Ein Dämon entnimmt seine Seele aus seinem
Mund, während ein anderer Dämon die Waage neigt, in der ein Engel eine Seele
wiegt.
Tödliche Pfeile
und die Pforten der Hölle
Im Vordergrund
sieht man auch ein schreckliches Skelett mit einem Bogen und Pfeilen in einem
Köcher: wie Amor, bereit, seinen Pfeil abzuschießen! Aber hier ist der Pfeil
tödlich... Man sieht übrigens einen Mann, der getroffen wurde, schwankt und zu
Boden fallen wird. Der Teufel, der auf seinem Kopf saß, ist bis zu seiner
Schulter herabgestiegen, um seine Seele abzufangen! Und ganz rechts stürzt ein
Dämon einen Mann in das Maul eines ganz schwarzen Monsters: die Hölle!
Angesichts der
Kostüme der Figuren lässt sich dieser Totentanz auf das Ende des 15.
Jahrhunderts datieren. Der "Guide de la Provence mystérieuse" weist
darauf hin, dass er von "einem dieser anonymen und reisenden Künstler der
Schule von Nizza" gemalt worden sein muss.
Die mahnende
Inschrift
Was sagt dann die
alte Inschrift? Auf Provenzalisch beginnt sie mit "O paures
pecadours...", was sich so übersetzen ließe:
"Oh, ihr
armen Sünder! Denkt daran, dass ihr bald sterben werdet. Und ihr tanzt wie
Narren und führt euer Leben sorglos... Wenn ihr sterbt, ohne Buße getan zu
haben, werdet ihr das traurigste aller Schicksale erleiden. Erinnert euch
daran, zögert nicht, Buße zu tun, denn wenn eure Seele auf der Waage liegt,
wird es zu spät sein. Fürchtet euch,
denn der Tag eures Todes naht. Wenn der Tod euch plötzlich treffen sollte,
hättet ihr keine Rettung, und ihr werdet diesen schrecklichen Tanz immer und
immer wieder tanzen, ohne jemals aufzuhören."
Das ist,
zusammenfassend, die Essenz des Textes, eine düstere Botschaft, die tief in den
Ängsten des Mittelalters verwurzelt ist.
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